31.8. | Ixcanul

18.00/20.30

Filmplakat_IxcanulEs ist ein hartes Leben, das die verbliebenen Indigenen Guatemalas am Fuß des von ihnen verehrten Vulkans fristen. Immer ist da die Spannung zwischen den modernen westlichen Lebensformen und den uralten Traditionen der eigenen Kultur, zwischen Ausbeutung, Plantagenarbeit und den unerfüllten Träumen auf ein besseres Leben im Exil. Besonders schwer haben es die Frauen, die in der vorherrschenden Macho-Kultur Gewalt und Unterdrückung ausgesetzt sind. Zwei weibliche Schicksale dieser Art schildert der Regisseur Jayro Bustamante beispielhaft in diesem Film. Und er hat keinen Film über die „Indios“ gedreht, sondern mit ihnen. So gehören die beiden Hauptdarstellerinnen zum Bewegendsten, das „Ixcanul“ zu bieten hat. Bustamante gewährt einen faszinierenden Zugang zur Kultur der Maya. Gleichzeitig gelingt es ihm, dieses von Armut und Gewalt geprägte Land anhand der Lebensläufe seiner Protagonistinnen hautnah darzustellen. Die Auszeichnung mit dem Alfred Bauer-Preis war der Lohn dafür.

Guatemala 2015, Regie: Jayro Bustamante, Darsteller: Maria Mercedes Croy, Maria Telon, Manuel Manuel Antun, ohne Altersangabe, Original mit Untertiteln, 90 min

24.8. |Tournee – Deutscher Kurzfilmpreis

18.00/20.30 logo-dkfp

Über 200 Kurzfilme sind für den Deutschen Kurzfilmpreis 2015 eingereicht worden. Zwölf davon wurden für die Endausscheidung nominiert. Sechs dieser Auswahlfilme präsentiert das Koki in Kooperation mit der Stadtbildstelle an diesem Abend. Angekündigt hat sich die Regisseurin von „The House in the Envelope“, Sanela Salketic.

On Air (Spielfilm, Regie: Robert Nacken , 21 min)
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold. Zwei Lebenskünstler kapern eine Live-Radio-Sendung samt Moderatorin und Studiogast, um ihre politische Meinung kundzutun. Ihr Versuch die Welt zu verbessern entwickelt dabei allerdings eine eher unerwartete Eigendynamik. So hatte man sich die Revolution nicht vorgestellt.

Spielt keine Rolle (Spielfilm, Regie: Annika Pinske , 27 min)
Hans ist tot und Conny muss nun allein für ihre Tochter Leo sorgen. Nach der Trennung der Eltern lebte Leo die meiste Zeit bei ihrem Vater. Die neuen Umstände überfordern Conny. Hektisch versucht sie am Telefon ihren Full-Time-Job zu regeln und gleichzeitig den Bedürfnissen ihrer Tochter gerecht zu werden.

The House in the Envelope (Spielfilm, Regie: Sanela Salketic , 16 min)
Ein Jahr nach dem Tod von Leylas Vater entscheidet sie sich, mit den gleichen Fragen wie ihr Vater vor 30 Jahren, ihre Familie in Istanbul zu besuchen. Doch sie findet keine Antworten. Ihre Großmutter vermeidet es wie immer über Familienprobleme zu sprechen und der Großvater ist gar nicht erst da. Leyla macht sich auf die Suche nach ihm.

AlieNation (Animation, Regie: Laura Lehmus , 6 min)
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold – über die Pubertät basierend auf Interviews mit Teenagern.

Roadtrip  (Animation, Regie: Xaver Xylophon , 22 min)
Julius ist schlaflos. Um den Kopf leer zu bekommen beschließt er zu verreisen. Eine Alltagsgeschichte über das Scheitern, ein rotes Motorrad, schöne Barmädchen, die Tristesse Berlins (auch im Sommer) und wasserdichte Socken.

Der beste Weg (Experimenteller Dokumentarfilm, Regie: Angelika Herta , 9 min)
Was nervt Blinde an Sehenden? – ist die Ausgangsfrage für eine blinde Frau, die einkaufen geht, und dabei immer wieder auf unliebsame Hindernisse stößt, mit abgründigem Humor erzählet.

 

17.8. | Mr. Gaga

18.00/20.30

mr-gagaDer 63-jährige Israeli Ohad Naharin gilt als einer der bedeutendsten Choreographen des zeitgenössischen Tanzes. Gaga ist er nur insofern, als er exzentrisch und auch ein wenig egomanisch daherkommt, aber das gilt wohl, bei Lichte betrachtet, für die meisten bedeutenden Künstler dieser Welt. Geboren 1952 in einem Kibbuz, begann er nach dem Militärdienst eine Tanzausbildung und wurde von der legendären Martha Graham nach New York geholt. Er avancierte dort schnell zu einem Star der internationalen Tanzszene, um nach seiner Rückkehr nach Israel 1990 so manchen streng Religiösen mit seinen erotisch recht freizügigen Choreographien zu schockieren. Sein Landsmann Tomer Heymann zeichnet das Leben Naharins penibel ach. Eine Fülle an Archivmaterial stand dem Regisseur zur Verfügung – offenbar wurde Naharin schon seit seiner Jugendzeit fast ununterbrochen gefilmt. Ganz eindeutig lag das an seinem großen künstlerischen Talent, aber auch an seiner außerordentlichen Attraktivität, die sein an Arroganz grenzendes Selbstvertrauen fraglos gefördert hat. Ein Urteil über Naharin liefert Regisseur Heymann nicht, er lässt ihn erzählen und die Archivaufnahmen wirken. „Mr. Gaga“ ist kein kritisches Portrait, sondern einfach eine sehenswerte Dokumentation über einen vielseitigen Künstler.

Israel 2015, Regie: Tomer Heymann, Dokumentation, ohne Altersangabe, 100 min

10.8. |The Witch

18.00/20.30

161666Der Film erinnert an eines der dunkelsten Kapitel der christlichen Geschichte, den Hexenwahn im 17.Jahrhundert, dem tausende Frauen und auch Männer zum Opfer fielen. Große Teile Europas waren von diesem Wahn erfasst und auch im puritanisch geprägten Neu-England geht die Angst vor Hexen und Teufeln um. Hier siedelt der in dieser Gegend aufgewachsene Regisseur Robert Eggers sein Erstlingswerk an. Der streng religiöse Farmer William lebt mit seiner Frau Katherine und ihren fünf Kindern am Rande eines finsteren Waldes, der angeblich von einer Hexe heimgesucht wird. Und schon bald häufen sich die makabren Ereignisse. Kinder verschwinden auf rätselhafte Weise im Wald, der Familienvater wird von einem durchgedrehten Ziegenbock ins Jenseits befördert. Allmählich ist von der Familie kaum noch jemand übrig. Ja, „The Witch“ ist ein Horrorfilm mit viel Blut und Finsternis, ein Abbild der damaligen Zeit. Dazu tragen die Dialoge bei, für die Regisseur Eggers die Protokolle der Hexenprozesse von Salem, Massachusetts im Jahre 1692 studiert hat. Wenig verwunderlich, dass der verstörende Film sehr kontroverse Reaktionen hervorrief. Auf dem kalifornischen Sundance-Festival gefeiert, wurde er vom US-Kinopublikum abgestraft. Was ja kein Nachteil sein muss.

USA 2015, Regie: Robert Eggers, Darsteller: Ralph Ineson, Kate Dickie, Anya Taylor-Joy, ab16, 93 min

3.8. | La belle saison – Eine Sommerliebe

18.00/20.30

la-belle-saison-eine-sommerliebeWir schreiben das Jahr 1971 – eine Zeit der gesellschaftlichen Aufbruchstimmung in Westeuropa. Auch die junge Delphine (Izia Higelin) wird davon gepackt und entschließt sich, den Bauernhof ihrer Eltern in der französischen Provinz zu verlassen und quartiert sich in einer kleinen Dachgeschosswohnung in Paris ein. Zufällig gerät sie in eine Straßenaktion junger Feministinnen und lernt dabei Carole (Cecile de France) kennen – und lieben. Eine zärtliche und leidenschaftliche Romanze beginnt. Da erleidet ihr Vater einen Schlaganfall und  Delphine muss schweren Herzens nach Hause auf den elterlichen Hof zurückkehren, um ihre Mutter zu unterstützen. Als Carole ihr nachreist, beginnt ein kurzer und heftiger Sommer des gemeinsamen Glücks. Die stürmische Leidenschaft der beiden jungen Frauen bleibt natürlich nicht unbemerkt und alsbald stellen sich in der engstirnigen Provinz jede Menge Ärger und Widerstand ein. Die Regisseurin Catherine Corsini bettet ihre Geschichte in idyllische, lichtdurchflutete Landschaftsbilder ein und malt die Romanze in hoffnungsvollen Farben. Und wenn der leuchtende Sommer der Freiheit auch bald vorbei sein wird – die Sehnsucht bleibt.

Frankreich 2015, Regie: Catherine Corsini, Darsteller: Izia Higelin, Cecile de France, Noemie Lvovsky, ab 12, 105 min