28.9. | Schau mich nicht so an

18.00/20.30

schau-mich-nicht-so-anHedi (Uisenma Borchu) ist, nun ja, originell: Sie raucht wie ein Schlot, säuft Wodka und ist auch sonst nicht zimperlich. Auch beim Sex liebt sie klare Ansagen. Wer nicht spurt, fliegt raus. Über ein Nachbarskind lernt Hedi dessen Mutter Iva (Catrina Stemmer) kennen. Und die ist nun das komplette Kontrastprogramm zu Hedi, brav und immer bemüht, es allen recht zu machen, vor allem ihrer Tochter. Dennoch nähern sich die beiden Frauen an, auch sexuell. In der beginnenden Liebesbeziehung gibt Hedi selbstredend klar den Ton an, provoziert und schockt Ivas Umgebung. Man könnte es ehrlich nennen oder auch rücksichtslos. Da taucht überraschend

Ivas Vater Sepp (Josef Bierbichler) auf, der das zerrüttete Verhältnis zu seiner Tochter ins Reine bringen will. Waren die Verhältnisse vorher schon „originell“, jetzt geht es bei dieser menage a trois richtig zur Sache. Die aus der Mongolei stammende Regisseurin Uisenma Borchu spielt in ihrem Erstlingswerk in Person von Hedi auch gleichzeitig eine der Hauptrollen. Sie zeigt diese Frau wie eine Mischung aus femme fatale und Elefant im Porzellanladen, eine Frau, die anstatt Liebe nur Manipulation kennt und sich sämtlichen moralischen Grundsätzen entzieht. Borchu präsentiert mit Hedi eine gleichzeitig faszinierende wie abstoßende Persönlichkeit, die sich genauso freizügig wie selbstverständlich in Szene setzt. Ein mutiges und kompromissloses Stück Kino.

Deutschland/Mongolei 2015, Regie: Uisenma Borchu, Darsteller: Uisenma Borchu, Catrina Stemmer, Josef Bierbichler, ab 16, 88 min

21.9. | Miss Hokusai

18.00/20.30

Miss_HokusaiJapan um 1814: Der Künstler Hokusai bemalt Holzschnitte und Papierbögen mit Motiven, die ihn auch in Europa bekannt machen. Die französischen Maler Degas und Manet sind von ihnen begeistert. Was keiner weiß: Auch Hokusais Tochter O-Ei ist überaus begabt und steuert zahlreiche Bilder bei – ohne je als Urheberin genannt zu werden. Im 19. Jahrhundert ist so etwas üblich, auch in Europa gibt es Künstlerinnen, deren Werke nur unter den Namen ihrer Ehemänner veröffentlicht werden. Der Animationsfilm des Regisseurs Keiichi Hara zeigt die Geschichte, die sich hinter einem solchen Schicksal verbirgt. Es ist die Geschichte einer selbstbewussten Frau, die weiß, was sie will, aber im Kampf gegen die herrschenden gesellschaftlichen Konventionen kaum je eine Chance hat. Der Maler Hokusai gilt als Ahnherr der Manga-Bildkunst und so ist auch der Film gehalten. Die authentischen und lebensnahen Bilder des Künstlers erweckt „Miss Hokusai“ in atemberaubenden Szenen zum Leben – ein stilistisch außerordentlicher Film.

Japan 2015, Regie: Keiichi Hara, Animationsfilm nach dem Manga von Hinako Sugiura, japanisches Original mit Untertiteln, ab 6, 93 min

14.9. | Nur wir drei gemeinsam

18.00/20.30 

nur_wir_drei_gemeinsamIn den 1970er Jahren kämpft der iranische Jurastudent Hibat gegen die Macht des Schahs, später gegen die Diktatur der Ayatollahs. Als der Boden endgültig zu heiß wird, verlässt er mit seiner Frau und ihrem kleinen Sohn das Land und flieht nach Frankreich, wo sich die Familie eine neue Existenz aufbaut. Kheiron, der Sohn, avanciert Jahrzehnte später zu einem bekannten Komiker und Fernsehstar. Und dieser Kheiron ist es, der in diesem Film als Regisseur und Darsteller die Geschichte seiner eigenen Familie erzählt. Er nimmt den Zuschauer mit auf eine tragikomische und schwarzhumorige Reise durch die Vergangenheit. Dabei gelingt es ihm, gekonnt zwischen Ernst, Irrsinn und Komik zu balancieren. Politische Gefangenschaft inklusive Einzelhaft und Folter macht er mit einem Hauch von Komik erträglich. Lachen als Akt der Selbstverteidigung. Insofern erinnert der Film an ähnlich inszenierte Werke wie „Das Leben ist schön“.  „Nur wir drei gemeinsam“, der Titel sagt es schon, ist ein warmherziger Familienfilm, aber zugleich ein kämpferisches Sozialdrama und ein optimistisches Plädoyer für Liebe und Menschlichkeit.

Frankreich 2014, Regie: Kheiron, Darsteller: Kheiron, Leila Bekhti, ab 12, 102 min

7.9. | Vor der Morgenröte

18.00/20.30

vor-der-morgenrteIm Februar 1934 beschließt der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig, seine Heimat zu verlassen und nach England ins Exil zu gehen. Anlass ist eine Durchsuchung der Polizei in seinem Haus in Salzburg, unerlaubter Waffenbesitz lautet der Vorwurf. Eine groteske Anschuldigung in Bezug auf Stefan Zweig, den bekannten Humanisten und Pazifisten. Auch die untersuchenden Beamten sehen das so, klopfen pro forma die Wände ab und verschwinden nach einer halben Stunde wieder. Für Zweig ist der Vorfall trotzdem Grund genug, seiner Heimat notgedrungen den Rücken zu kehren. Zu stark ist für den weitsichtigen Autor der Einfluss der deutschen NS-Machthaber auch in seiner österreichischen Heimat bereits geworden. Die nachfolgenden Jahre im Londoner Exil bis 1940 und anschließend in Brasilien beleuchtet die Regisseurin Maria Schrader in ihrer Filmbiographie „Vor der Morgenröte“. Josef Hader verkörpert den entwurzelten und hoffnungslosen Poeten ganz und gar grandios. Eine ernsthafte und glaubwürdige Tiefe verleiht Hader seiner Rolle und den seelischen Abgründen dieses Weltbürgers, der mit der Zerstörung der europäischen Zivilisation durch die NS-Herrschaft alles verlor, seinen Lebensmittelpunkt Österreich und zugleich seine geistige Heimat. Zweig sah für sich keine andere Möglichkeit, als seinem Leben im Februar 1942 selbst ein Ende zu setzen. In seinem Abschiedsbrief finden sich die abschließenden Zeilen, die auch diesem Film den Titel gaben: „Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.“

Deutschland/Österreich 2015, Regie: Maria Schrader, Darsteller: Josef Hader, Barbara Sukowa, Aenne Schwarz, ohne Altersbeschränkung, 107 min